Die Willy Zollmarsch K.-G. Werkzeugverkaufsgesellschaft
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Wir haben mal wieder auf unserem Dachboden gewühlt und ein interessantes Verkaufsprospekt zu Tage gefördert. Es handelt sich dabei um einen Produktfolder für eine halbautomatische Schnellwechseleinrichtung Type SW 71. Verkauft wurde diese von der WILLY ZOLLMARSCH K.-G., Werkzeugverkaufsgesellschaft, Köln-Ehrenfeld. Der Sitz des Unternehmens war genau hier bei uns in der Widdersdorfer Straße 188.
Auf der internationalen Erfindermesse in Brüssel gewann die Schnellwechsel-Einrichtung 1959 eine große Goldmedaille. Die Anmutung des Prospektes deutet demnach auf die frühen 1960er-Jahre hin.
Ältere und einfachere Bohrmaschinen wurden durch die Schnellwechsel-Einrichtung automatisiert, dadurch rationeller. Auch die weiteren einzigartigen Verkaufsvorteile (USPs) lassen sich sehen:
- Gewindeschneiden, Bohren, Reiben und Senken ohne zu schalten, daher 70% Zeitersparnis
- Niedrige Bauhöhe für jede Bohrmaschine
- Fehlschaltungen unmöglich
- Vergrößerung des Drehzahl- und Vorschubbereiches
- Unfallfrei keine Berührung rotierender Teile
- Preisgünstig dazu, “Steuerlich” in voller Höhe absetzbar
- Narrensicher durch billige Hilfskräfte bedienbar
Diese teils skurril anmutenden USPs entsprachen wohl dem damaligen Zeitgeist. Die Werkzeugträger kosteten damals zwischen DM 100,– und DM 300,-
Wie das Leben so spielt, werden Blogeinträge wie dieser auch von vielen Menschen gelesen. So nahm eine sehr nette Dame mit uns Kontakt auf, die sich als Tochter von Herrn Zollmarsch vorstellte. Diese hatte noch eine gute Erinnerung an die Erfindermesse, an der sie selber als Kind teilnehmen konnte. Außerdem hat sie uns mit weiteren wichtigen Details zu unserem Haus versorgt. So gab es einen Herrn Bachschuster, der auf unserem Gelände nach dem zweiten Weltkrieg, eine Gießerei betrieb. Dieser Herr hat während des zweiten Weltkrieg einen bekannten Baron Oppenheim vor den Nazis bewahrt und zum Dank wurde er beim Aufbau seiner Gießerei nach dem Krieg finanziell unterstützt. Herr Bachschuster hatte Räume frei und vermietete diese an die Willy Zollmarsch K.-G., deren Geschäfte zur damaligen Zeit sehr gut liefen. Ein gutes Omen für unser Haus – das vor mehr als 60 Jahren begann.


Das Unternehmen gehörte meinem Vater. Bei der Erfindermesse 1959 in Brüssel war ich als Jugendliche dabei. Was haben Sie mit den gefundenen Unterlagen vor? Ich möchte keiner Geschäftsidee im Wege stehen, würde mich aber über einige Erinnerungsstücke an meinen Vater freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Marietheres Zollmarsch